Der 5. Januar 1942 war ein Tiefpunkt in der politischen Beziehung zwischen Deutschland und Guatemala. In den frühen Morgenstunden wurden auf Anordnung der guatemaltekischen Regierung zahlreiche Deutsche im ganzen Land festgenommen und anschließend auf einem Kriegsschiff der US-Marine außer Landes gebracht. Zielort war New Orleans, im Süden der Vereinigten Staaten. Es folgten weitere Deportationen in den darauffolgenden Monaten und Jahren in die USA, in sogenannte „Alien Detention Camps“ („Fremdenauffanglager“).

Es war klar, dass die guatemaltekische Regierung auf Bitten der USA handelte, beide Länder standen nun mit Deutschland im Krieg. Am 11. Dezember 1941 hatte Guatemala Deutschland und seinen Verbündeten, u.a. auch Japan den Krieg erklärt.

Mit diesem Ereignis ging eine Ära zu Ende. Die Deutschen hatten sich bis dato eine wirtschaftliche Vormachtsstellung in Guatemala erarbeitet, die vor allem auf dem Kaffeehandel und der Kaffeeindustrie aufgebaut war. Doch mit der Deportation der Deutschen und dem Sturz des guatemaltekischen Präsidenten Jorge Ubico brach dieses Monopol endgültig zusammen.

Angefangen hatte die deutsche Einwanderung nach Guatemala im frühen 19. Jahrhundert mit Karl Friedrich Rudolph Klee (1803-1853), zuerst Unternehmer, dann erster Konsul in Guatemala. Mit der Öffnung des Landes für Europäer ab den 1870er Jahren, erhoffte sich Justo Rufino Barrios einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine infrastrukturelle Erschließung des Landes. Viele Europäer folgten dem Ruf und so auch die Deutschen, die sich vor allem mit dem Anbau von Kaffee in der Alta Verapaz, einem Bezirk in der Mitte des Landes, eine günstige Ausgangsposition schafften. Mit dem Erfolg kamen immer mehr deutsche Einwanderer nach Guatemala, wenn auch die Mehrheit der deutschen Übersee-Auswanderung in die USA oder nach Südamerika führte.

Sapper, Schlubach, Dieseldorff und Nottebohm waren Namen großer Unternehmer in Guatemala um die Jahrhundertwende. Während des Ersten Weltkrieges blieb die ökonomische Kraft der Deutschen bestehen und auch danach blieb der Status Quo einer wirtschaftlich potenten Einwanderergemeinde erhalten. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen neue Einwanderer aus Deutschland, man kann sogar von einer zweiten, großen Einwandererwelle sprechen. Doch diese neuen Einwanderer brachten auch die Konflikte ihres Heimatlandes mit. Blieb die deutsche Kolonie in Guatemala bislang von politischen Konflikten untereinander bislang verschont, eskalierten die Spannungen in den folgenden zwei Jahrzehnten deutlich.

Mit Otto Langmann, evangelische Pfarrer für Guatemala, begann 1931 die Einführung des Nationalsozialismus in Guatemala und mündete in die Gründung der NSDAP-AO Guatemala. Fortan versuchten nun einige Deutsche den Nationalsozialismus auf die deutsche Kolonie zu übertragen, eine Spaltung der Kolonie schien unabwendbar. Während sich die Deutschen untereinander weiterhin über die Ausrichtung der Kolonie stritten, begannen die USA immer nervöser auf das Treiben der Deutschen aufmerksam zu werden. Waren es in den 30er Jahren noch wirtschaftliche Interessen, die im Vordergrund standen, so änderte sich das schlagartig mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor und der Ausweitung des Krieges auf diesen Teil der Welt. Jetzt waren die Deutschen in Guatemala nicht nur ein wirtschaftlicher Rivale, sondern auch potentiell die 5. Kolonne Hitlers in Lateinamerika. Um sich dieser Gefahr zu entledigen wiesen die USA alle lateinamerikanischen Staaten an, die Deutschen auszuweisen bzw. in die USA deportieren zu lassen. Viele kamen dieser Anweisung nach, aber längst nicht alle Länder.

Guatemala hatte eigentlich so gut wie keine Wahl, zu stark war das kleine, mittelamerikanische Land finanziell von den USA abhängig, als dass sie sich ihr widersetzen könnte. Mit der Deportation der Deutschen ab Januar 1942 brach auch das wirtschaftliche Rückgrat der Ubico-Regierung zusammen. Er wurde im Rahmen der “Oktober-Revolution” 1944 abgesetzt.

Für die Deutschen in Guatemala bedeuteten diese Ereignisse eine deutliche Zäsur in der Geschichte, die dennoch bis heute weitergeht. Zahlreiche Deutsche kamen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zurück nach Guatemala.

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Die Geschichte der Deutschen in Guatemala darf hierbei nicht unkritisch gesehen werden. Rassismus, Kolonialismus, Unterdrückung und Profitgier traten sicher nicht selten auf, dennoch gab es diese negativen Merkmale auch bei anderen europäischen und amerikanischen Einwanderergruppen. Man darf nicht versucht sein, den Deutschen in Guatemala ein ausschliesslich schlechtes Zeugnis auszustellen. Viele integrierten sich, heirateten Einheimische und gingen so komplett in die guatemaltekische Gesellschaft über. Von diesen ist wenig bekannt, zeugt aber von einer Liebe und Sympathie für ein Land, das zu ihrer neuen Heimat wurde.

Ein endgültiges Urteil wird hier nicht gewagt, dazu bedarf es weiterer Studien, um die Komplexität des Themas zu erfassen. Während es für andere Länder wie Mexiko, USA oder Argentinien weitaus mehr Forschungen über die Rolle der Deutschen gibt, stehen die Studien für Guatemala noch im Anfangsstadium. Diese Seite möchte Anregungen für weitere Recherchen geben und kann daher auch nur ein kleiner Einstieg in diese spannende Thematik sein.