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Deutsche Zeitung für Guatemala (c)ISKA

 

Die von 1932 bis 1940 erschienene „Deutsche Zeitung für Guatemala und das übrige Mittelamerika“ ist relativ komplett erhalten und im Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart als Rollfilm einsehbar.

Die Deutsche Zeitung war das einzige deutschsprachige Printmedium in Guatemala und erschien alle zwei Wochen als Beilage der guatemaltekischen Zeitschrift ‚Nuestro Diario’. Sie hatte im Durchschnitt acht Seiten, von denen die ersten vier Seiten sich mit internationaler Politik und Wirtschaftsfragen befassten und zwei weitere Seiten mit regionalen Nachrichten bestückt waren. Auf den letzten Seiten befanden sich immer wissenschaftliche Abhandlungen, Reiseberichte oder Abdrucke von Romanen von Auslandsdeutschen.

Ihr Gründer, Franz Meindl, war zwar kein Mitglied der NSDAP, gehörte jedoch zu dem Gründungskreis der Epiphanias-Gemeinde[1], wodurch eine mögliche Nähe zu Parteimitgliedern wie Hentschke oder Gundelach früh nachgewiesen werden kann. Die Deutsche Zeitung war von Beginn an dem Nationalsozialismus wohl gesonnen. Obwohl die Gleichschaltung der Deutschen Zeitung erst im Jahr 1935 nach Ausräumung der „letzten formellen divergierenden Punkte“[2] proklamiert wurde, erscheint sie von Beginn an als ein Medium der Nationalsozialisten. Die Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde als ein positives Ereignis für die Auslandsdeutschen vermittelt. Beherrschten zuvor Berichte über Chaos und Gewalt auf den Straßen Deutschlands das Heimatbild der Auswanderer[3], so wurde nach dem 30. Januar 1933 der Eindruck verstärkt, mit dem neuen deutschen Reichskanzler kehre Ruhe, Frieden und Wohlstand ein. Kritik an der politischen Praxis der Nationalsozialisten findet sich in der Deutschen Zeitung so gut wie gar nicht.[4]



[1] Franz Meindl bewirbt sich im März 1930 als Mitglied des Kirchenvorstandes. Das geht aus einem Aufruf zur Wahl des Vorstandes, an die deutsche Epiphanias-Gemeinde vom 2. März 1930 hervor. Privatarchiv Ohnemus. Nachlass Langmann.
[2] Deutsche Zeitung, 20. Januar 1935, S.3
[3] So titelte die Deutsche Zeitung für Guatemala in ihrer Ausgabe vom 28.01.1933 auf der ersten Seite: „Blutige Schlägereien in Berlin und Dresden“ und schrieb von „Großkampftagen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten“ in Deutschland.
[4] So heißt es z. B. in einem von der Deutschen Zeitung für Guatemala veröffentlichtem Brief aus Deutschland, dass „Sozis und Kommunisten auch nicht einen Finger gerührt haben und wie in einem betäubten Zustande aber auch alles über sich ergehen ließen. Es wird ja noch eine ganze Zeit dauern, bis der große Schweinestall gesäubert ist...“ Brief aus dem Leserkreis der Deutschen Zeitung vom 22. April 1933, S.2. Weiter heißt es dort:“ „Die Braunhemden werden überall angestrahlt vom Publikum. Patriotische Veranstaltungen vom Stahlhelm, SS und SA...reißen das Publikum fanatisch mit...Hitler wächst mit jedem Tag an Größe! Und ihren Reden folgen Taten! Schlag auf Schlag!“